Erdkrümmung am Bodensee: sieht man das andere Ufer?
Ja, aber nie ganz. Über offenes Wasser liegt dein Horizont aus 1,7 m Augenhöhe nur 5 km entfernt, und alles dahinter verschwindet von unten her hinter der Wölbung. In Friedrichshafen sind vom 12 km entfernten Romanshorner Ufer die untersten 3 m verdeckt, in Konstanz vom 46 km entfernten Bregenz die untersten 114 m: die Stadt liegt hinter dem Horizont, die Berge dahinter nicht.
- Seespiegel395 m ü. NN
- Längerund 63 km
- Horizont auf 1,7 m5,0 km
- DatenGeometrie über Wasser
Die Strecken, gerechnet
Der Bodensee ist der seltene Fall, in dem eine Formel die ganze Antwort ist. Zwischen zwei Ufern liegt nichts als Wasser, also gibt es kein Gelände, das die Sicht zusätzlich nimmt, und die Erdkrümmung entscheidet allein. Die Tabelle rechnet für Augenhöhe 1,7 m am Ufer.
| Strecke | Entfernung | Verdeckt am anderen Ufer |
|---|---|---|
| Konstanz nach Bregenz | 46,2 km | 114 m |
| Friedrichshafen nach Romanshorn | 12,2 km | 3,4 m |
| Lindau nach Konstanz | 40,0 km | 82 m |
| Meersburg nach Konstanz | 7,9 km | 0,6 m |
Verdeckte Höhe bei normaler atmosphärischer Refraktion. Wer höher steht, sieht mehr: auf einem Aussichtsturm oder einem Schiffsdeck schrumpfen diese Werte deutlich.
Warum man Bregenz nicht sieht, die Berge dahinter aber schon
Über die lange Achse des Sees, von Konstanz nach Bregenz, sind es 46 km. Aus Augenhöhe am Ufer sind davon die untersten rund 114 m verdeckt. Die Stadt selbst liegt damit vollständig hinter der Wölbung, und trotzdem sieht man an klaren Tagen den Pfänder und die Vorarlberger Berge stehen: sie sind hoch genug, um darüber hinauszuragen.
Genau das ist der Punkt, den eine flache Karte nicht zeigt. Was du von einem entfernten Ufer siehst, ist nicht das Ufer, sondern alles, was höher ist als die verdeckte Höhe. Ein 400 m hoher Hügel in 46 km Entfernung steht rund 286 m über der Wölbung und ist sichtbar; ein Kirchturm daneben nicht.
Kann man 100 km weit sehen?
Am Bodensee nicht über das Wasser, dafür ist er zu kurz. Von einem der Ufer aus reicht die längste Sichtachse über den See rund 63 km, und aus Augenhöhe wären davon die untersten 225 m verdeckt.
Vom Ufer aus über den See auf die Alpen ist eine andere Frage, und dort lautet die Antwort ja: der Säntis steht 2.500 m hoch und rund 50 km entfernt, weit genug über der Wölbung, um von der ganzen deutschen Seeseite aus sichtbar zu sein. Dafür ist aber nicht mehr die Krümmung entscheidend, sondern das Gelände dazwischen, und das braucht eine Karte statt einer Formel.
Häufige Fragen
Sieht man vom deutschen Ufer das Schweizer Ufer?
Ja. Zwischen Friedrichshafen und Romanshorn sind es 12 km, und aus Augenhöhe sind davon nur die untersten rund 3 m verdeckt. Häuser, Bäume und Kirchtürme am anderen Ufer stehen deutlich darüber.
Wie weit kann man über den Bodensee sehen?
Die Sichtweite über Wasser wird von der Augenhöhe bestimmt, nicht vom See. Aus 1,7 m liegt der Horizont 5 km entfernt. Alles Weitere sieht man nur, soweit es höher ist als die verdeckte Höhe auf dieser Entfernung.
Wie viel verdeckt die Erdkrümmung auf 46 km?
Aus Augenhöhe rund 114 m. Deshalb bleibt Bregenz von Konstanz aus unsichtbar, während der Pfänder dahinter zu sehen ist.
Kann man den Säntis vom Bodensee aus sehen?
Ja, an klaren Tagen von der ganzen deutschen Seeseite. Er ist rund 2.500 m hoch und etwa 50 km entfernt, also weit über der Wölbung. Ob er von einem bestimmten Punkt aus frei steht, entscheidet allerdings das Gelände dazwischen.
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Setz einen Punkt am Ufer und sieh, was von dort aus wirklich sichtbar ist, mit dem Gelände dazwischen statt nur mit der Formel.
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